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Queer, neurodivergent und mein täglicher Kampf, Ordnung für innere Stabilität zu halten

Bei mir manchmal auf dem Tisch. Oder neben dem Waschbecken. Oder in der Ohrschmuck-Schatulle. Oder eben gerade nicht dort, wo mein Ohrring eigentlich sein sollte.

Ok. Aber wo ist denn nun mein verdammter Ohrring, der nicht mehr in meine Ohrschmuck-Schatulle passt?

Ich dachte, ich hätte ihn immer an nur dem einen Ort.

Nope.

In der Hektik, ihn abends abzunehmen, ist er mal hier, mal dort zu finden. Ok, da muss ich jetzt Ordnung reinbringen!

Oh, eine schöne Doku läuft gerade im TV.

Oh, meine Frau sprach gerade mit mir.

Äh, was wollte ich gerade machen?

Kein Plan. Ich glaube, ich habe Durst.

Ups, da ist ja mein Kaffee.

Öh. Kalt.

Hmm, wie lange steht der Becher da schon?

Ups, so spät ist es schon!

Und warum zeigt meine Smartwatch an, fast keine Energie mehr zu haben?

Ok, ich nehme sie jetzt ab zum Aufladen. Brauche aber was am Handgelenk!

Welche andere Uhr nehme ich jetzt?

Aber wo ist denn meine Lieblingsuhr?

Oh. Im Büro vergessen.

Na gut, dann nehme ich die andere da.

Hmm. Wollte ich mir nicht was zum Trinken holen?

Keine Ahnung.

Aber da ist ja noch ein Schluck Kaffee.

Bäh, kalt.

Egal. Ist trinkbar.

Ich muss gleich los.

Wollte ich nicht noch meinen Ohrring anstecken?

Ah, da liegt er ja auf dem Tisch.

Ist das mein üblicher Ort?

Neurodivergente Ordnung ist keine Spießigkeit. Sie ist Barrierefreiheit.

Für ADHS/ASS ist „alles hat seinen Platz“ nicht bloß ein Haushaltsideal, sondern ein externer Speicher fürs Gehirn.

Eine Schatulle, ein Tablett, ein Haken, ein Ladeplatz, ein Schlüsselbrett — das sind keine Kleinigkeiten. Das sind Assistenzsysteme.

Und bei Queer/Enby kommt dazu: Die Dinge, die verschwinden, sind oft nicht beliebig.

Es ist nicht „irgendein Ohrring“.

Es ist ein Teil des Auftretens. Ein kleines Symbol der eigenen Identität. Wenn der fehlt, fehlt nicht nur Schmuck, sondern ein Stück stimmiger Selbstpräsentation.

Die Ohrring-Landezone

Nicht eine Schatulle irgendwo. Sondern ein ganz konkreter, immer gleicher Platz dort, wo der Ohrring tatsächlich abgenommen wird.

Also nicht dort, wo er theoretisch hingehört, sondern dort, wo mein reales Abend-Ich ihn hinlegt.

Zum Beispiel:

  • ein kleines Schmucktablett am tatsächlichen Ablegeort

  • eine zweite Mini-Schale neben Bett, Sofa oder Bad

  • eine „Transit-Schale“ für alles, was später einsortiert wird

  • ein Uhr-Ladeplatz mit Ersatzuhr daneben

  • ein sichtbarer Haken oder Magnetpunkt für einzelne Lieblingsstücke

Ich muss nicht mein Gehirn zwingen, sich einem perfekten Ordnungssystem anzupassen.

Ich muss ein Ordnungssystem bauen, das mein reales Gehirn ernst nimmt.

Aber wie bekomme ich es hin, mich nicht ständig selbst durch äußere und/oder innere Reize abzulenken?


Was ist deine Methode, um die Macht über diesen ständigen Konflikt zurückzugewinnen?

Schreib’s mir in die Kommentare.

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